Zwischen Köln und Kirchheimbolanden ist Tom Dreyer im Dauereinsatz. Der TVK-Korbjäger hat ein ausgefülltes Leben: als Notfallsanitäter, Medizinstudent und angehender Arzt. Aber auch als Landesliga-Topscorer und Regionalliga-Referee.
Im Kalender gibt’s kaum Lücken bei dem 28-Jährigen. Wenn, wie letzte Woche, dann ist es geplant, als sich Tom Dreyer eine Auszeit gönnte zwischen seinen vielen Terminen. Auf dem Snowboard machte der erfolgreiche Basketballer des TV Kirchheimbolanden für ein paar Tage die Pisten von Sölden unsicher. Das klappte gut, und deshalb schnürt Dreyer am Samstag (18 Uhr) auch wieder die Basketballstiefel, wenn „sein TVK“ in der Landesliga die schwere Auswärtshürde beim TV 03 Ramstein nehmen will. Im letzten Match am 24. Januar beim 87:63-Sieg im Verfolgerduell zwischen dem Zweiten aus der Kleinen Residenz und dem Drittplatzierten ASC Mainz brach sich das TVK-Ass noch die Nase.
„Ich hatte nach einem Schlag im Zweikampf eine Fraktur am Nasenbein. Der Knochen war gebrochen, ich bekam schlecht Luft“, beschreibt der Vollblut-Korbjäger die Folgen des unsanften Zweikampfes. „In der Klinik in Kaiserslautern wurde bei einer ambulanten Operation alles wieder gerichtet. Dieser Eingriff war schmerzhaft, danach lief es aber gut. Ich trainiere seit einer Woche wieder, am Samstag will ich wieder dabei sein.“
„Kibos“ erfolgreichster Punktesammler zählt mit aktuell 209 Treffern zu den drei besten Schützen der Landesliga. Lange Zeit führte er die Korbjägerliste sogar an. Diese Statistiken interessieren das TVK-Eigengewächs aber nicht. „Wir haben eine starke Mannschaft. Basketball ist ein Teamsport. Es gibt bei uns viele Jungs, die punkten können. Da sind jedes Mal mehrere für über 20 Treffer gut. Das wechselt sich ab und ist gut so, weil uns das unberechenbar macht“, erklärt Dreyer. „Wir haben ein tolles Team beisammen. Sicher könnte ich vielleicht bei einem anderen Verein eine Liga höher spielen. Doch ich möchte hierbleiben, weil’s mir beim TVK sehr gut gefällt und ich gerne im Team Verantwortung übernehme.“
Das klare Bekenntnis und die Zeit, die er dem TVK und seinem Hobby schenkt, sind nicht selbstverständlich. Zwar lebt Tom Dreyer hauptsächlich in Kirchheimbolanden, ist aber unter der Woche viel auf Achse. Die Strecke Köln und Kirchheimbolanden kennt er seit sechs Jahren wie seine Westentasche. Auf dem Nordpfalzgymnasium machte er sein Abitur, sammelte während eines Freiwilligen Sozialen Jahres beim Rettungsdienst Erfahrungen und absolvierte anschließend seine Ausbildung in Köln und Kirchheimbolanden. „Die Medizin begeistert mich. Menschen zu helfen. Gerade in Notsituationen schnell und direkt Hilfe zu leisten, waren Beweggründe, bald nach der Ausbildung mich für das Medizinstudium zu entscheiden, erzählt der nicht nur im Sport ehrgeizige Nordpfälzer. „Seit fünf Jahren studiere ich an der Universität Köln und pendele regelmäßig von Kirchheimbolanden aus. Begonnen hatte ich mit meinem Studium in der Corona-Zeit, als viel digital unterrichtet wurde. Heute ist es der Mix aus Präsenzvorlesungen und der Möglichkeit, das eine oder andere von zuhause aus zu lernen.“
Dreyer steckt in den letzten Zügen. Im April steht sein Examen an. „Das werden drei anstrengende Prüfungstage. Danach folgt ein Praxisjahr, in dem ich Ärzte in Kliniken und Praxen begleiten werde, ehe ich als Arzt arbeiten werde“, blickt er nach vorne. In welche konkrete Richtung es ihn verschlägt, weiß Tom Dreyer noch nicht. Wenngleich die Humanmedizin ihn besonders interessiert, wie er der RHEINPFALZ berichtet.
Hörsaal und RettungswacheSein Medizinstudium finanziert sich Dreyer über seinen Job als Notfallsanitäter auf der Rettungswache Kirchheimbolanden, den er seit seiner Uni-Zeit mit einer 25-Prozent-Stelle ausfüllt. Die weiterhin praktische Erfahrung parallel zu den Hörsälen war dem TVK-Vorzeigeathleten nach seiner intensiven Ausbildung zum Notfallsanitäter wichtig. „Wir arbeiten zu zweit im Team zwölf Stunden am Stück von 7 bis 19 Uhr oder über Nacht von 19 bis 7 Uhr. Bei mir meist an vier Tagen im Monat“, verrät Dreyer. „Mit unserem Fahrzeug sind wir schnell dort, wo unsere Hilfe notwendig ist. Je nach Situation kommt dann der Notarzt hinzu. Wir erleben immer wieder komplett unterschiedliche Situationen, auf die wir schnell reagieren müssen. Es gibt bei unserem Job auch schöne Erlebnisse. Zum Beispiel wurde ich zuletzt spontan angesprochen, um mir nochmals für die gute Hilfe bei einem Notfalleinsatz zu danken. Eine wirklich nette Geste.“
Referee aus LeidenschaftAls Notfallsanitäter, Medizinstudent, Basketballer und Snowboarder ist Dreyers Leben ausgefüllt – dennoch widmet er sich einer weiteren Leidenschaft – mit Erfolg. Nach steiler Schiedsrichterkarriere zählt der Korbjäger zum kleinen Kreis der Regionalliga-Referees und leitet regelmäßig Begegnungen auf Top-Level. Vor kurzem das dramatische Pfalz-Derby zwischen TV Bad Bergzabern und SG TV Dürkheim/BI Speyer oder kommenden Sonntag das Spitzenspiel der Damen-Regionalliga in Bad Homburg gegen TV Langen. „Auf diesem hohen, teils halbprofessionellen Niveau Spiele mit Topteams leiten zu dürfen, empfinde ich als Bereicherung. Seit drei Jahren pfeife ich in der Regionalliga. Mit tollen Erlebnissen und Herausforderungen“, sagt Dreyer. „Besonders wertvoll ist der Einsatz in der Regionalliga von Schiedsrichter-Coaches, die mir schnell und objektiv ein wichtiges Feedback nach den Spielen geben. Sonst erlebt man die Reaktionen der Spieler, Trainer und Zuschauer ja eher subjektiv.“
Einer dieser Feedback-Geber ist die erfahrene Schiedsrichterin Eva-Maria Krause-Lott – mit anderem „Basketball-Job“ Trainerin beim TV Kirchheimbolanden. Sie an der Seitenlinie, Tom Dreyer unterm Korb – ein gutes „TVK-Team“, das am Samstag wieder erfolgreich sein will.